Weniger als die Hälfte der Menschen in Deutschland gehört heute noch einer der beiden großen Kirchen an. Die Frage, ob eine kirchliche Trauung trotzdem möglich ist, kommt deshalb häufiger als früher – und die Antwort ist differenzierter als ein einfaches Nein.
Eine Person muss dabei sein
Für eine evangelische Trauung reicht es, wenn eine der beiden Personen Mitglied der Kirche ist. Die andere kann einer anderen Konfession angehören, einer anderen Religion oder gar keiner. Die Trauung findet trotzdem statt.
Gehört einer von euch der katholischen Kirche an, braucht diese Seite eine Dispens ihrer Kirche – das klingt aufwendiger, als es ist, und das Pfarramt kennt den Weg.
Wenn beide ausgetreten sind
Dann ist eine Trauung nicht möglich, denn sie setzt die Mitgliedschaft mindestens einer Person voraus. Das ist die Regel, und sie gilt.
Es gibt aber einen zweiten Weg, von dem kaum jemand weiß: Über einen Segen für euren gemeinsamen Weg lässt sich in vielen Gemeinden sprechen. Das ist keine Trauung im kirchenrechtlichen Sinn, aber es ist ein Gottesdienst, es findet in der Kirche statt, und es fühlt sich für die allermeisten Gäste an wie das, was sie erwartet haben. Fragt im Pfarramt nach – die Antwort hängt von der Gemeinde ab, und ein Nein am Telefon ist noch kein Nein für die Nachbargemeinde.
Der kurze Weg in der Martinskirche
In Kassel gibt es dafür sogar ein eigenes Format. Die Innenstadtgemeinden öffnen die Martinskirche für einen Abend, an dem Paare ohne Anmeldefrist und ohne monatelange Vorbereitung getraut oder gesegnet werden. Man kommt, wählt ein Bibelwort und Musik, spricht kurz mit einer Pfarrerin oder einem Pfarrer – und geht mit dem Segen wieder. Kostenlos, Spenden sind willkommen.
Wie so ein Abend abläuft und was ihr mitbringen müsst, haben wir hier aufgeschrieben.
Gleichgeschlechtliche Paare
In der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, zu der Kassel gehört, ist die Trauung gleichgeschlechtlicher Paare möglich. Die Landessynode hat das Traugesetz 2018 entsprechend geändert; es gilt seither gleichermaßen.
Die freie Trauung als Alternative
Wenn die Kirche nicht passt – aus welchem Grund auch immer –, bleibt die freie Trauung. Eine Traurednerin oder ein Trauredner gestaltet die Zeremonie mit euch, an einem Ort eurer Wahl: im Garten, im Wald, in der Scheune, auf dem Berg. Rechtlich zählt sie nicht, aber das tut die kirchliche Trauung auch nicht. Geheiratet wird in Deutschland ausschließlich im Standesamt, alles andere kommt dazu.
Genau das ist übrigens der Punkt, der die Entscheidung entspannt: Ihr müsst euch nicht zwischen „richtig“ und „nicht richtig“ entscheiden. Der rechtliche Teil ist ohnehin erledigt. Beim Rest geht es nur darum, was zu euch passt.
Wo ihr weiterlest
Alle 84 evangelischen und katholischen Kirchen in Kassel und im Umland – mit Gemeindebüro, Telefonnummer und dem, was vor dem ersten Anruf zu klären ist – stehen auf unserer Seite zum kirchlich Heiraten in Kassel. Traurednerinnen und Trauredner für Nordhessen findet ihr unter freie Trauung.